Pattern-Prinzip

Was sind Patterns – erprobte Lösungen?

“Each pattern describes a problem which occurs over and over again, and then describes the core of the solution to that problem, in such a way that you can use this solution a million times over, without ever doing it the same way twice.” (Christopher Alexander (1977): A Pattern Language)

Diese Lösungen sind nicht als Rezepte zu verstehen, sondern als bewährte Lösungen in und für spezifische Kontexte. Alternative Lösungen mit anderen Vor- und Nachteilen sind vorstellbar. Die Passung mit und Begründung in Ihrem Setting ist vor dem Hintergrund der kontextuellen Rahmenbedingungen und der eigenen Einstellungen und Werte  (z.B. Lehr-Lern-Auffassungen) unbedingt zu prüfen: Kriterium sollte hier die Konsistenz sein. Der Wert dieser Lösungen liegt u.a. darin, die eigenen Handlungsmöglichkeiten zu erweitern.

Patterns sind als strukturierte Elemente dazu geeignet, durch Variation und Kombination beliebig viele unterschiedliche Konzepte, Strategien und komplexe Handlungsmuster zu erschaffen. Die Patternsprache folgt einer Musterstruktur, die die Vergleichbarkeit und einheitliche Darstellung von Patterns ermöglicht.

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Die Muster existieren nicht isoliert, sondern stehen in einem Netzwerk von Beziehungen mit anderen Mustern. Ein Curriculum besteht etwa nicht nur aus einer Veranstaltungsart, sondern aus verschiedenen Formen, die miteinander verknüpft sind. Und auch während einer Vorlesung können unterschiedliche Methoden zur Wissensvermittlung eingesetzt und miteinander kombiniert werden. Jedes Muster ist also Teil übergeordneter Muster (das Seminar ist Teil eines Curriculums) und baut gleichzeitig auf untergeordneten Mustern auf (das Seminar kann z.B. aus Vortrag und Hausarbeit bestehen). Dieses Netzwerk aus Beziehungen wird als Mustersprache bezeichnet. Die einzelnen Muster bilden das Vokabular, die Beziehungen zwischen den Mustern die Grammatik. Wie bei einer natürlichen Sprache sind nicht alle Kombinationen sinnvoll; daher werden in Pattern-Beschreibungen häufig die Querverweise explizit dargestellt. Neben einer hierarchischen Teil-Ganzes-Beziehung gibt es auch noch Verfeinerungen, Variationen und konkurrierende Muster.

Der Sprachumfang bestimmt dabei die Ausdrucksstärke bei der Generierung gültiger Sätze. In gleicher Weise erweitert das Pattern-Vokabular die Gestaltungsmöglichkeiten. Um die Methode „Brainstorming“ in einem Seminar einzusetzen, muss diese offensichtlich bekannt sein. Je umfangreicher die Methoden- und Werkzeugkenntnisse sind, umso umfangreicher sind die Möglichkeiten bei der angemessenen didaktischen Gestaltung. Der Ausbau der eigenen Mustersprache ist also ein wichtiger Beitrag zur didaktischen Kompetenz.

Die Patterns als solche sind demnach nicht automatisch ein Garant für “Gute Lehre”, vielmehr sind die Gestalterinnen und Gestalter von Lehre und Studium auch weiterhin dafür verantwortlich, eine u.a. im Sinne des Leitbildes Lehre der Universität Hamburg kohärente Lernumgebung zu erzeugen. Dass man dafür mehr benötigt als gute Praxisbeispiele, ist offensichtlich. Dass die Kenntnis von andernorts erarbeiteten und erprobten Lösungen für spezifische eigene Probleme dabei helfen kann, steht sicherlich ebenfalls außer Frage.